Gold Country

Als am 24. Januar 1848 James Marshall beim Bau einer Sägemühle zufällig im American River Gold fand, begann in Amerika eine der größten Völkerwanderungen. Bis dahin war das abgelegene Kalifornien für den Osten von Amerika unbedeutend. Doch nachdem der Goldfund von Marshall sich in Amerika rasch verbreitete, wollten viele Glücksritter und Siedler so schnell wie möglich ins gelobte Land. Der Weg von Osten nach Westen war jedoch sehr beschwerlich und gefährlich. So mussten die Siedler zuerst Indianerland durchqueren und die natürlichen Hindernisse wie die Wüsten Nevadas und die Sierra Nevada überwinden. Wer mehr Geld hatte, der kam mit dem Schiff über das Kap Horn nach San Francisco und von dort aus in das Gold Country. Die Bevölkerungszahl Kaliforniens explodierte in dieser Zeit rasch in die Höhe. 1848 lebten in Kalifornien etwa 14.000 Menschen; 1852 waren es schon 230.000.

Goldrausch ebnete Weg für den Aufstieg Kaliforniens

Das romantische Bild eines Goldsuchers, der an einem Fluss steht und geduldig mit einer Pfanne den Schlamm an einem Fluss aussiebt, um Gold zu finden, entspricht nur teilweise der Realität. 1852 wurde nur noch wenig Gold in den Flüssen gefunden. Von nun an musste man sich in die Erde hineingraben. Da dieses Unterfangen für den einzelnen Goldgräber viel zu teuer und kompliziert war, begannen Bergwerksgesellschaften mit dem industriellen Abbau des Goldes. Je mehr Gold gefunden wurde, desto tiefer trieb man die Schächte in die Erde. Manche dieser Minen sind bis zu fünf Kilometer tief, ihre Stollen reichten meilenweit in jede Richtung.

Reich wurden bei der Goldsuche nicht die Goldsucher selbst, sondern meist ganz andere - Bergwerksbesitzer, Händler und Ladenbesitzer. Schon der zweite Millionär des Goldrausches war ein Mann, der in San Francisco alles Segeltuch der Schiffe aufkaufte und Zelte für die Goldwäscher daraus machte. Als nächstes fielen ihm die verschlissenen Hosen der Goldsucher auf. Also ließ er Hosen aus Baumwolle fertigen, genannt Jeans, und wurde damit Millionär. Der Hosenfabrikant hieß Levis Strauß.

Als 1859 große Silberfunde in Nevada die Runde machten, kehrten viele Glücksritter Kalifornien den Rücken und versuchten in Nevada ihr Glück. So blieben aus den vielen gesetzlosen Goldgräberstädten meist nur noch kleine Ortschaften übrig, in denen heute selten mehr als ein paar hundert Menschen leben. Die Goldproduktion von 1851 betrug 77 Tonnen. Der Wert dieser Goldmenge war höher als der damalige jährliche amerikanische Bundeshaushalt. Das zeigt deutlich auf, warum Kalifornien in sehr kurzer Zeit zu einer politischen und wirtschaftlichen Macht in Amerika aufstieg.

Denn das politische Gewicht Kaliforniens war aufgrund seines Wohlstandes so stark gestiegen, dass es schon 1850 zum 31. Bundesstaat Amerikas wurde. Der Nachbarstaat Arizona, der wie Kalifornien (auch Texas und New Mexico) nach dem Frieden von Guadalupe am 02.02.1848 von Mexiko an die USA abgetreten wurde, wurde erst 1912 in die Union aufgenommen. Da Sacramento praktisch über Nacht im Zuge des Goldrausches zum Handelszentrum Kaliforniens wurde, war es nicht überraschend, dass 1854 Sacramento dann auch zur Hauptstadt Kaliforniens erklärt wurde.



Konflikte mit der indianischen Bevölkerung und der Umwelt

Insgesamt dauerte der kalifornische Goldrausch nur vier Jahre, doch er hatte erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung von Kalifornien und des amerikanischen Westens. Die Invasion der Glücksritter veränderte innerhalb kürzester Zeit das soziale, ökonomische und ökologische System des damaligen Kalifornien. Der rasche Zuzug von Goldsuchern und Siedlern nach Kalifornien hatte verheerende Folgen für die indianische Urbevölkerung. Innerhalb von fünf Jahren (zwischen 1850 und 1854) schrumpfte die indianische Bevölkerung Kaliforniens von 150.000 auf unter 30.000 Menschen. Die meisten starben an Hunger und Krankheiten, andere wurden von Goldgräbern getötet.